Die Bounce-Rate, auch genannt Absprungrate, ist einer der Faktoren, der Webmaster immer wieder vor Rätsel stellt. Technisch gesehen bezeichnet sie den Prozentsatz der Nutzer, die eine Webseite direkt, nachdem sie sie betreten haben gleich wieder verlassen ohne sich weiter auf der Seite umzusehen. Erinnern Sie sich noch an unseren Artikel zur Conversion-Rate von letzter Woche? Wenn ja, sollten Sie hier auf jeden Fall weiterlesen, denn die Senkung der Absprungrate ist mit der Erhöhung der Conversion-Rate eng verknüpft.

Gründe für hohe Absprungraten können vielfältig sein. Verschiedene Branchen haben zudem unterschiedlich hohe Bounce-Rate-Standards. Generell gilt: das Ziel einer Bounce-Rate von 0% ist unrealistisch, daher sollten sie sich von diesem Gedanken schnell verabschieden. Je nach Branche und Webseitenart liegt der Standard zwischen 40-45%, alles was darunterliegt ist super, alles was darüber liegt sollte dringen optimiert werden.

Grundsätzlich kann die Bounce-Rate immer durch einfache Mittel gesenkt werden. In diesem Artikel wollen wir Ihnen fünf einfache Methoden präsentieren, wie Sie Ihre Absprungrate verbessern.

1. Ansprechendes, passendes Webdesign

Mit ansprechend ist eine übersichtliche Gestaltung ohne visuelle Überladung des Nutzers mit überflüssigen Bildinhalten oder Animationen gemeint. Passend beinhaltet ein auf die Zielgruppe abgestimmtes Design.

Ein Beispiel: Wenn Sie einen Shop für Geek-Produkte betreiben, diesen jedoch wie eine Webseite zum Vertrieb von Vermögensversicherungen gestalten, werden Sie auf die Zielgruppe keinen großen Eindruck machen. Das Resultat? Der Nutzer betätigt den „Zurück“-Knopf seines Browsers und navigiert zu einer anderen, visuell passenderen Seite. Dieser Absprung wäre durch ein passenderes Design zu verhindern gewesen.

In der Gestaltung sollten Sie sich zudem an branchenübliche Standards halten. Wenn Sie nicht gerade Künstler sind, Kunstprodukte vertreiben oder eine Webseite für Kinder betreiben, verzichten Sie auf knallige Farben oder kreative (schlecht-lesbare) Schriftarten.

Wählen Sie stattdessen augenfreundliche Farben und Farbkombinationen, die miteinander harmonieren. Idealerweise sollten sich Firmenfarben (zum Beispiel Farben, die im Logo verwendet werden) in Überschriften und dergleichen wiederfinden, solange dies der Lesbarkeit nicht abträglich ist.

Vor allem bei textreichen Seiten sollte auch gut lesbare Schriftarten geachtet werden. Nichts schreckt mehr ab als zehn Absätze Text, die in einem fahlen Grau und noch dazu sehr klein kaum lesbar sind.

2. Ablenkungen vermeiden

Eine Webseite sollte auf keinen Fall mit zu viel Content überladen sein. Diese Regel gilt vor allem für Webeanzeigen. Überlegen Sie einmal selber: Haben Sie schon einmal eine Webseite angesurft, auf der sich sofort Werbeanzeigen öffneten? Möglicherweise auch noch in Form eines Pop-ups?

Die erste Reaktion des Durchschnittsnutzers ist, durch einen Klick auf das kleine „X“ am rechten oberen Bildrand diese Seite sofort zu schließen. Damit erhöhen Sie also nicht nur die Bounce-Rate, sondern schrecken Nutzer auch gleich noch vom Wiederkommen ab.

Zudem hat eine Überladung mit Werbeanzeigen auch auf ihre Visibility in den SERPs (Suchergebnissen) einen Einfluss. Die Google AdSense Regeln selber lauten, dass nie mehr als 3 Werbeanzeigen auf einer Webseite eingebunden sein sollten. Zudem sind die Darstellung von Werbeanzeigen in iframes oder PopUps laut AdSense Richtlinien verboten. Dies sollte als Anhaltspunkt dafür gesehen werden, in welchem Rahmen Google Werbeanzeigen zulässt.

Aber auch anderer Content kann ablenkend wirken. Eine Überladung mit Bildern, Snippets oder auch Videos. Ein klassisches, wenngleich extremes Beispiel einer solchen Überladung ist die Webseite von Ling’s Cars: http://www.lingscars.com/. Wenngleich die Webseite an sich schon fast eine Attraktion ist, so gestalten sich doch Navigation und Suche extrem schwierig—ganz zu schweigen vom Erkennen des eigentlichen Nutzens der Seite.

Deswegen denken Sie daran: konzentrieren Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Nutzer auf das Wesentliche.

3. Verzicht auf unverständliches Fachjargon

Auch wenn der Großteil der Kundschaft oder des Zielpublikums mit der Fachsprache vertraut sein mag, so wird es auch immer einen großen Teil geben, der auf genau Ihrer Seite diese Begriffe zum ersten Mal liest und keine Ahnung hat, was sie bedeuten sollen.

Prahlen sie also nicht mit ihrem Fachvokabular. Schon Einstein wusste: Wenn man etwas nicht einfach erklären kann, hat man es nicht verstanden. Halten Sie ihre Infotexte also verständlich und übersichtlich strukturiert.

Alternativ können Sie auch von der Möglichkeit eines Glossars Gebrauch machen. In diesem erstellen Sie Einträge für sämtliche Fachwörter, und verlinken dann von Ihren Texten direkt auf den entsprechenden Eintrag im Glossar. Dies sorgt nicht nur für interne Verlinkungen und neuen Content, sondern sorgt auch dafür, dass der Nutzer sich durch Ihre Webseite klickt. Dies senkt dann auch gleich die Absprungrate. Eine wunderbare Möglichkeit, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

4. Abwechslungsreiche Gestaltung

Es ist ein schmaler Grat zwischen der Überladung einer Webseite durch visuellen Content und einer eintönigen Gestaltung. Wichtig ist, dass sie diesen Weg der Mitte aus ‚weder zu viel, noch zu wenig‘ finden.

Vor allem bei textreichen Beiträgen und Seiten ist eine Auflockerung der Seitenstruktur durch Bilder, Infografiken und Illustrationen angebracht. Auch vernünftige Textstrukturen und Absätze sind wichtig. Vor allem online möchte kein Nutzer Blöcke von 1000 Wörtern Text lesen. Auflockern können Sie das ganze durch Bilder, Tabellen, Bullet Points oder auch Infografiken. Überlegen Sie, was zu dem Themengebiet passt.

Achten Sie aber darauf, es nicht zu übertreiben. Kein Nutzer sucht gerne Textfragment zwischen Bildern. Zudem ist es wichtig, dass die Bilder vernünftig platziert sind, und den Textfluss nur dann unterbrechen, wenn es der Inhaltsstruktur folgend Sinn macht.

5. Interne Verlinkungen zu relevanten Beiträgen/Produkten

Bereits unter Punkt 3 haben wir bereits die Nützlichkeit interner Verlinkungen zur Senkung der Absprungrate angesprochen. Diese Nützlichkeit beschränkt sich natürlich nicht nur auf Glossareinträge.

Verlinken Sie relevanten Content um ihren Nutzern zu zeigen: auf meiner Webseite gibt es noch mehr, was Sie interessieren könnte. Für Content-Management-Systeme wie WordPress gibt es diesbezüglich extra ausgerichtete Plugins, die automatisch Beiträge mit ähnlichen Themen (meist aufbauend auf der Tag-Struktur) verlinken. Aber natürlich lassen sich derartige Verlinkungen auch relativ zügig manuell integrieren.

Für Onlineshops eignet sich in diesem Zusammenhang vor allem der Verweis auf ähnliche Produkte. Bei automatisierten Lösungen sollte sich die Zusammenstellung aber unbedingt aus einer Sortierungsstruktur heraus ergeben, die Zusammenhänge zwischen Produkten korrekt erkennt: z.B. gleiche Shop-Kategorie, andere Angebote, und ähnliches.

Willkürlich ausgewählte interne Verlinken können eher schaden als nutzen.

Fazit

Wie man sieht, ist das Senken der Bounce-Rate bereits mit ein paar sehr einfachen Schritten zu bewerkstelligen. Tiefergehende Maßnahmen betreffen unter anderen die Optimierung auf genauer zugeschnittenen Keywords, sowie auch die Anpassung des Designs auf mobile Endgeräte. Vor allem der letzte Punkt sollte auf keinen Fall unterschätzt werden, da ein Großteil der Internetnutzer heutzutage von einem mobilen Endgerät im Internet surft.

Nach einer eingehenden Analyse von Start- und Landing-Pages lassen sich meist bereits die ersten Fehlerquellen erkennen und dann einfach beheben. Viel Erfolg!

5 Tipps zur Minimierung der Absprungrate
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